SO WIRKEN SCHOCK UND SCHAMGEFÜHL GEGEN KRANKHEITEN

MIT EINER KARTE SEINES DORFES, DIE AUCH ZEIGT, WO DIE EINWOHNER IHRE NOTDURFT IM FREIEN VERRICHTEN, ERKLÄRT M. BINH SEINER GEMEINDE DEN ZUSAMMENHANG VON SANITÄRVERSORGUNG UND KRANKHEITEN.

Das Dorf Vinh Thanh befindet sich im Mekong-Delta in Südvietnam, einem wichtigen Reisanbaugebiet. An einem sonnigen Morgen haben sich die Einwohner für eine besondere Vorführung versammelt. Es herrscht eine entspannte, fröhliche Atmosphäre und die Gesundheitshelfer des Dorfes, die das Treffen organsiert haben, freuen sich, dass so viele gekommen sind.

„Heute laden wir euch ein, mit eigenen Augen zu sehen, wo Krankheiten wie Durchfall – ein großes Problem in unserer Gemeinde – herkommen. Und wie man sie loswerden kann.“ So beginnt M. Binh, einer der Gesundheitshelfer. „Aber zuerst möchte ich euch einladen, mit mir eine Karte unseres Dorfes zu erstellen.“

Mit Fäden markiert der freiwillige Helfer die Hauptstraße, mit blauem Stoff den Fluss auf beiden Seiten des Dorfes, Blätter symbolisieren die Reisfelder. Stück für Stück lässt er auf dem Boden das Dorf Gestalt annehmen. M. Binh ist unterhaltsam und die Dorfbewohner sind mit Begeisterung dabei, als er sie bittet, andere wichtige Einrichtungen und Orte mit Papier und Steinen anzuzeigen: Häuser, den buddhistischen Tempel, die Schule.

VON PEINLICHEN TATSACHEN ZU NEUEN VERHALTENSWEISEN

„Menschen müssen jeden Tag essen. Und dann müssen sie es wieder irgendwie loswerden. Wo passiert das denn?“, fragt M. Binh verschmitzt. Die Zuschauer schauen verlegen und lächeln unangenehm berührt. Aber nicht für lange. Bald hört man ein Kichern im Publikum. „Na los, kommt schon! Nehmt das gelbe Pulver und zeigt mir, wo das stattfindet“, sagt M. Binh. Freiwillige markieren die zahlreichen Stellen mit Exkrementen im Dorf. Später werden sie aufgefordert, sich bei den Reisfeldern anzusehen, wo alles Notdurft verrichtet wird. Außerdem werden die Einwohner über das hohe Verschmutzungsrisiko für ihre Nahrungsmittel und ihr Trinkwasser informiert, das durch Bakterien in menschlichen Ausscheidungen besteht.

Diese peinliche Weg soll der Gemeinde vermitteln, wie diese Notdurftpraktiken ihrer Gesundheit und ihrem Wohlergehen schaden können. Dieser Denkanstoß soll letztlich zu einer Verhaltensänderung führen. Teil des Aufkläungsprozesses ist auch eine Berechnung der Gesundheitskosten, die anfallen können.

UMSETZUNG EINES NEUEN KONZEPTS

Die Präsentation, an der die Einwohner von Vinh Thanh teilgenommen haben, gehört zu einem neuen CATS-Projekt (Community Approaches to Total Sanitation), das sich in vielen Ländern bewährt hat. Zurzeit besitzen nur zwei von fünf Familien in Vinh Thanh Toiletten. Auch wenn Vietnam bedeutende Fortschritte in Sachen Wasserversorgung erreicht hat, die Sanitärversorgung und Hygiene können hier nicht mithalten, gerade in ländlichen Gegenden, in denen 70 % der 86 Millionen Einwohner des Landes leben. Laut einer Volkszählung von 2009 haben rund 60 % der Einwohner, die in ländlichen Gegenden leben, keinen Zugang zu hygienischen Latrinen.

CATS hat die sanitären Bedingungen für Hunderte Familien in Vietnam verbessert. „Die Gemeinden übernehmen Verantwortung für die CATS-Initiative und begeistern sich für das Konzept. Und das verbessert nicht nur ihren sanitären Status, sondern unterstreicht auch ihre persönliche Würde“, sagt Rajen Kumar Sharma, Chef des UNICEF-Projekts „Vietnam's Provincial Child-Friendly Programme“, das in sechs Provinzen Vietnams die Bereitstellung integrierter Services für Kinder unterstützt.

Bei Vo Thi Mit aus Vinh Binh, einem Nachbardorf von Vinh Thanh, wurden nach einer Aufklärungskampagne vor sechs Monaten moderne Toiletten außerhalb ihres Hauses eingerichtet. „Das hat mir die Augen geöffnet“, sagt sie. „Ich würde niemals wieder in den Feldern auf die Toilette gehen. Die alten Gewohnheiten ekeln mich.“

Das CATS-Konzept hilft Eltern, den Wert einer angemessenen Sanitärversorgung zu verstehen. „Dieser peinliche Gang durch das Dorf zeigte uns all die Risiken durch die öffentliche Verrichtung der Notdurft und war ein echter Schock für mich“, sagt M. Vo Van Ngan aus Vinh Binh. „Ich habe begriffen, dass die Gesundheit meiner Kinder auf dem Spiel steht und es darum geht, sicherzustellen, dass sie gesund aufwachsen.“ Er bezahlte 12 Millionen Dong (zwei Monatsgehälter), um seine eigene Toiletten zu bauen. „Ich bin eine Bauer, ich baue Reis an. Meine Frau arbeitet an einem Essensstand. Wir verdienen nicht viel. Natürlich wusste ich, dass es teuer ist, Latrinen zu bauen, aber wir wissen, dass es sich lohnt“, sagt Ngan.

Mit der CATS-Initiative konnten beeindruckende Fortschritte in Richtung einer umfassenden Sanitärversorgung für ländliche Regionen erreicht werden. Seit 2009 wurden 33 Dörfer in fünf Provinzen „Open Defecation Free“ (ODF) erklärt – die öffentliche Verrichtung von Notdurft wurde gestoppt. Das Konzept wird von der vietnamesischen Regierung in weiteren Kommunen wiederholt.

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